Buch/ Hörbuch-Tip

„Schwert und Schweiß für den Johanniterorden“
Eine sehr wenig bekannte historische Begebenheit, die doch von zentraler Bedeutung für das Christentum ist, ist die Belagerung von Malta im Jahr 1565. Im Jahr 1530 übertrug Kaiser Karl V. dem Johanniterorden die Mittelmeerinsel südlich von Sizilien und baute Malta zu ihrem neuen Stützpunkt aus. Nach Abspaltung einiger protestantischer Mitglieder wurden sie bald bekannt als „;Malteserorden“;.
Vor allem den osmanischen Kriegsflotten, die im Mittelmeerraum aktiv waren, war der Orden ein Dorn im Auge. Unter Süleyman II. dem Prächtigen hatten die Osmanen den gesamten östlichen Mittelmeerraum unterworfen, und Malta stellte einen hervorragenden Stützpunkt dar. Der Malteserorden baute seine Befestigungen aus, und so wollten die Osmanen die Insel erobern. Die osmanische Flotte war bislang ungeschlagen.
Die Belagerung von Malta
Vorneweg: Wer „Das Sakrament“ von Tim Willocks kauft/hört, sollte trotz des irreführenden Titels keinen weiteren Dan-Brown-Verschnitt um religiöse Geheimsekten erwarten, denn es handelt sich um einen historischen Roman und, meiner Meinung nach, um einen der besten der letzten Jahre.
Der Inhalt lässt sich schnell zusammenfassen: Der Mittelmeer-Insel Malta droht, nachdem einige Jahre zuvor schon Rhodos gefallen ist, eine Belagerung durch das Heer der Türken. Eine kleine Gruppe von wenigen tausend Soldaten, darunter auch Ritter des Johanniterordens, soll den Angriff zurückschlagen. Um für die kommende Schlacht jegliche Chance zu nutzen, lockt man den Deutschen Mattias Tannhäuser, welcher seine Kindheit im Osmanischen Reich verbracht hat, auf die Insel. Gemeinsam mit ihm erlebt der Leser eines der wohl blutigsten Gemetzel der Geschichte, als Welle um Welle von türkischen Angreifern gegen die Wälle der Ordensfestung stürmt. Besteht oft Gefahr, dass man bei der Schilderung eines derart gewaltsamen Konflikts unbewusst einer Seite den Makel des Bösen verpasst, gibt Willocks keiner den Vorzug.
Mit viel Sensibilität nähert er sich den Weltreligionen Christentum und Islam an, und skizziert den beiderseitigen religiösen Fanatismus genauso wie die große Kraft, welche aus dem Glauben erwächst. Dank der absolut gelungenen, wenngleich auch mitunter etwas zu heroischen Figur Tannhäuser, erhält der Leser Zugang zu beiden Lagern, kann er die Sichtweise beider Seiten nachvollziehen. Und obwohl das Kämpfen einen Großteil des Buches in Anspruch nimmt, bleibt die Spannung fast durchgehend erhalten. Dies liegt in erster Linie an der lebendigen, bildreichen Sprache des Autors, die unter anderem Einblicke in die damalige Strategie der Kriegsführung gewährt und mit ihrer Detailtreue nicht nur der Schlacht den heroischen Charakter nimmt, sondern gleichzeitig dem Werk epische Züge verleiht. Überhaupt spielt „Das Sakrament“ was Sprache und Stil angeht auf höchstem Niveau. Großes Lob an die deutschen Übersetzer. Insgesamt ist Willocks eine abenteuerliche Geschichte um Liebe (Die oftmals etwas gestelzt und zu konstruiert wirkenden romantischen Beziehungen der Figuren bleiben einer der wenigen Kritikpunkte) und Glauben, Obsession und Intrige, Krieg und Verrat gelungen, die geradezu nach einer Verfilmung schreit und welche angesichts der religiösen Konflikte im Nahen Osten und Europa wohl nie an Aktualität verlieren wird. Auf die geplanten Fortsetzungen darf gespannt gewartet werden.




