Die Krankenpflege


„Tuitio fidei et obsequium pauperum“
[Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen]

Der Hospitaliterorden trug wesentlich dazu bei, das vergleichsweise hochentwickelte medizinische Wissen aus dem arabisch-persischen und griechisch-byzantinischen Kulturkreis zu übernehmen und dem abendländischen Europa zugänglich zu machen. Die Hospitalsbrüder waren stets um neuestes medizinisches Wissen bemüht, wobei das Wohlbefinden des Einzelnen immer im Mittelpunkt des therapeutischen Ansatzes stand. Schon im Mittelalter verfolgten sie sehr modern-anmutende Grundsätze in der Krankenpflege. Die europäische Heilkunst verdankt ihnen große Fortschritte, einerseits bezüglich hygienischer und diätetischer Vorschriften in der individuellen Krankenbetreuung wie auch hinsichtlich gemeinnütziger sanitärer Einrichtungen und der kommunalen Gesundheitsvorsorge.

Diese Tradition wird auch heute noch von den Institutionen des Ordens bzw. seiner Nachfolge-Organisationen hochgehalten. Neben dem Engagement für neue Ansätze in Medizin und Krankenpflege sowie der Unterstützung alternativer Heilmethoden steht noch immer der Mensch als Individuum im Mittelpunkt. Und so verwundert es nicht, dass ein besonderer Schwerpunkt dieser Organisationen in der Pflege und Betreuung alter, kranker und sterbender Menschen sowie in Förderung und Unterhalt von Altenheimen, Krankenhäusern und Hospizen liegt.

Aufgaben der Kommenden:

- Seelsorge, Betreuung benachbarter Kirchen
- Lehrtätigkeit
- Aufnahme Reisender
- Krankenpflege
- Kolonisation
- Landwirtschaftlicher Betrieb
- Wegeschutz und Grenzschutz

Krankenpflege im Orden

Nach der Regel Raimunds sollte jeder Kranke zuerst beichten und die heilige Kommunion erhalten, er wurde dann zu einem Bett gebracht und mit allem Nötigen wie ein “Herr” versehen. Vorbild des großen Hospitals in Jerusalem war das 1136 in Konstantinopel gegründete Pantokrator-Hospital. Durch das Beispiel der mohammedanischen Krankenhäuser angeregt (im mohammedanischen Hospital von Damaskus wirkten im Jahre 978 schon 24 Mediziner), verfügte das Generalkapitel des Ordens 1181 unter dem Großmeister Roger des Moulins eine eigene Hospitalsordnung (Regula), wonach vier gelehrte Ärzte für das Hospital angestellt wurden, um die Natur der Erkrankungen zu erkennen (besonders hervorgehoben wurde die Fähigkeit, die Eigenarten des Harnes zu unterscheiden) und den Ordensbrüdern bei der Zubereitung der Arzneien Anleitung zu geben. Die Ärzte wurden vom Orden besoldet und durften weder Zahlungen noch Geschenke von den Kranken entgegennehmen. In jeder Abteilung des Hospitals mußten jeweils neun dienende Brüder zur Versorgung der Kranken zugegen sein. Ihre Aufgaben bestanden darin, als Diener ihrer “Herren”, den Kranken, diesen die Füße zu waschen, ihre Tücher zu reinigen, ihre Betten zu richten, ihnen liebevoll zu trinken zu geben und in allen Dingen dem Wohl der Kranken zu gehorchen.
Im Haupthaus zu Jerusalem waren nach zeitgenössischen Quellen zumindest 1000 Betten vorhanden, im Bedarfsfall konnten jedoch bis zu 2000 Patienten gepflegt werden, da die Ordensbrüder dann ihre eigenen Betten für die Krankenpflege zur Verfügung stellten. Zu jener Zeit waren etwa 400 adlige Brüder im Hospitalsdienst tätig, zusätzlich wurden für die Pflege am Krankenbett vorwiegend nichtadlige Helfer auf Zeit angestellt und besoldet, es sollen täglich 168 Pfleger beschäftigt gewesen sein. Das Spital war in elf Stationen eingeteilt, in jeder Station waren zwölf Pfleger tätig, die einem Meister unterstanden. Die Meister der Stationen nahmen Neuaufnahmen entgegen und teilten sie entsprechend der Erkrankung oder Verwundung der jeweiligen Station zu.

Der Kranke erhielt ein Einzelbett, was für damalige Verhältnisse sehr ungewöhnlich war. Üblicherweise mußten sich in den Spitälern mindesten zwei Personen, meist mit unterschiedlichen Erkrankungen, ein Bett teilen. In der Regula der Hospitaliter wurden sogar die Mindestmaße für die Betten vorgeschrieben. Jedes Bett sollte mit einer Decke und zwei reinen Leinentüchern ausgestattet sein. Zwischen den Betten lagen Bekleidung und Schuhwerk bereit, mit denen sich die Kranken bei notwendigen Gängen bedecken sollten (je zwei Kranke teilten sich einen Schafpelz und ein Paar Schuhe). Das Hospital nahm auch schwangere Pilgerinnen auf, obwohl den Brüdern der Umgang mit Frauen untersagt war. Die Frauen wurden in die Obhut der dem Orden angegliederten Hospitaliter-Schwesternschaft (s.u.) gegeben. Das Generalkapitel verfügte ausdrücklich die Anfertigung von Wiegen, damit die Neugeborenen alleine lägen und nicht im Bett der Mutter zu Schaden kämen.
An drei Tagen pro Woche erhielten die Kranken frisches Fleisch, meist vom Schaf oder Schwein bzw. für empfindlichere Kranke auch Geflügelfleisch. Im übrigen gab es Brühen und Brei, Eier und Mehlspeisen, Käse und Fisch. Papst Coelestin III hob besonders lobend hervor, daß die Kranken sogar Äpfel und Trauben erhielten, auch wenn sie noch so teuer waren. Nach zeitgenössischen Quellen wurden Hühner, Tauben, Rebhühner, Lämmer, Böcke, Eier, Fische, Granatäpfel, Birnen, Pflaumen, Kastanien, Mandeln, Weintrauben, getrocknete Feigen, Kopfsalat, Zichorie, Rettich, Petersilie, Sellerie, Gurken, Kürbisse und süße Melonen von den Pflegern regelmäßig angekauft. Für den Ankauf der Ersatz- und Zuspeisen standen den einzelnen Stationen wöchentliche Beträge zur Verfügung. Die Kranken erhielten zum Essen ein Tischtuch, das auf ihrem Bett aufgelegt wurde. In speziellen Tragekörben wurde Brot verteilt – jeder Kranke erhielt einen eigenen Laib, und die Brotart wurde häufig gewechselt, damit kein Überdruß entstehe und der Appetit angeregt werde. Der Wechsel in der Speisenfolge als Appetitanregung war ein wesentlicher Grundsatz der Therapie in den Hospitaliterhospitälern. Es wurde von den Ärzten ein allgemeines Verbot erlassen, Bohnen, Linsen, Meerzwiebeln, Muränen und Fleisch von Mutterschweinen als Speise zu reichen, da diese als schädlich angesehen wurden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die meisten Kranken an Erschöpfungszuständen litten, und schon allein durch die Anregung dieser reichhaltigen und seltenen Speisen, die sie zu Hause nie erhielten, ebenso wie durch die vitaminreiche Kost in den meisten Fällen rasch geheilt werden konnten. Auch die außergewöhnlich guten hygienischen Bedingungen im Hospital sowie die intensive seelsorgerische Betreuung werden ein ihriges zu den therapeutischen Erfolgen in den Hospitaliterhospitälern beigetragen haben.

beinschienen1

Livres de Cyrurgie of Roger of Parma, f.9r, MS.Sloane 1977, British Library, London, England

Heilkunde im Mittelalter:

In der Zeit vom 9. bis 13. Jahrhundert waren Arzt- und Priestertum eng mit einander verbunden. Die Pflege und die Heilkunst lag in dieser Zeit vornehmlich bei den Klöstern. Große medizinische Büchersammlungen entstanden in den führenden Klöstern, die sich zu Pflegestätten medizinischer Wissenschaften entwickelten, bevor Universitäten gegründet und damit auch weltliche Ärzte ausgebildet wurden. Die medizinische Wissenschaft des Mittelalters fußte auf den Lehren der griechischen und römischen Ärzte. Unter dem Einfluß der moslemischen Kultur im heiligen Land fand auch die arabische Wissenschaft, wo im Gegensatz zum christlichen Europa die antiken Lehren bewahrt und erweitert worden waren, vor allem über den Einfluß der Pflegeorden Eingang in die europäische Medizin. Die Grundlage bildete die Humoralpathologie, die von Hippokrates entwickelt und von Galenus erweitert worden war. Danach war die Gesundheit von dem normalen Verhältnis der vier Körpersäfte, also Blut, Schleim und gelbe sowie schwarze Galle, abhängig. Galenus ordnete den vier Körperflüssigkeiten die Eigenschaften der vier Elemente zu: Feuer/Hitze, Luft/Kälte, Wasser/Feuchtigkeit,Erde/Trockenheit. Eine Krankheit erklärte man sich als Verschiebung des Gleichgewichtes dieser vier Körperflüssigkeiten (Dyscrasia).

Säftelehre, Diätetik und Heilmittel:

Aus der Säftelehre erklärt sich die Wichtigkeit, die man der Harnschau und dem Aderlaß beimaß. Das Harnglas wurde geradezu zum Wahrzeichen ärztlicher Tätigkeit. Deshalb gehörte auch in den Hospitaliterhospitälern die Beachtung der Absonderungen und Ausscheidungen zur Grundpflege, insbesondere die Harn- und Stuhlbeschau. Aderlaß und Schröpfen diente der Regulierung des Blutkreislaufes. Da allen Nahrungs- und Heilmitteln ebenfalls bestimmte Eigenschaften zugewiesen wurden, erklärt sich auch die große Bedeutung der Diätetik in der mittelalterlichen Medizin.

Die Wirkung von Heil- und Nahrungsmitteln wurde häufig nach dem Aussehen und bestimmten Eigenschaften der jeweiligen Pflanze, des Minerales oder eben auch der Speise ermittelt und beschrieben. Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) beispielsweise verdankt seinen volkstümlichen Namen unter anderem auch dem Hospitaliterorden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem, da dieses Kraut während der Kreuzzüge von den Ordensleuten zur Wundversorgung eingesetzt wurde. Die Blätter des Johanniskrautes weisen kleine rote Flecken auf, in denen ein rötliches Öl enthalten ist. Diese erinnern dem Aussehen nach an Blut, und aus diesem Grunde wurden die Blätter als Blutstillungs- und Wundversorgungsmittel eingesetzt. Tatsächlich können dem darin enthaltenen Wirkstoff Hypericin styptische, adstringierende und antiseptische Eigenschaften nachgewiesen werden.

Alltag im Spital:

Im Spital des heiligen Johannes waren auch die Kranken selbst keinesfalls von Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft befreit. So sollten die Kranken nicht ihre Mitpatienten belästigen oder gegen die Vorschriften murren. Die Rekonvaleszenten sollten jeden Lärm unterlassen. Sie sollten weder dem Würfel- noch dem Kartenspiel oder Schachspiel frönen. Sie durften weder Geschichten noch Chroniken laut lesen. Es war ihnen jedoch erlaubt, sich leise mit der Bibel oder anderer guter Literatur zu befassen. Wer gegen diese Regeln verstieß, wurde ermahnt und konnte, wenn er sich nicht besserte, bestraft werden, sofern es sein Zustand erlaubte.

Die dienenden Brüder wuschen den Kranken täglich den Kopf und stutzten ihre Bärte. Jeden Montag und Donnerstag mußten sie allen Kranken die Füße waschen und mit einem Bimsstein die Sohlen reinigen. Während der Essensausgabe gingen sie durch die Stationen, versprengten Wasser und räucherten die Säle mit wohlriechendem Räucherwerk wie Thyrus-Holz, auch dies diente als Desinfektionsmaßnahme und half zumindest, lästige Insekten zu vertreiben.

Die im Spital angestellten Ärzte hielten morgens und abends Visite, wobei sie auf jeder Station von zwei Pflegern begleitet wurden, von denen einer, der Hospitaliter, die vom Arzt verordneten Medikamente herbeischaffte und der andere, der Schreiber, die Urinflasche hielt und die Anordnungen und Verschreibungen des Arztes notierte. Neben den festbesoldeten Ärzten und Chirurgen waren im Spital auch Bader tätig, die auf Vorschlag der Ärzte eingestellt wurden und nach den Anordnungen der Ärzte die Kranken zur Ader ließen.

Nach Einbruch der Dämmerung war der Tagesdienst beendet und in jeder Station übernahmen nun je zwei Ordensbrüder die Nachtwache. Die Priester beteten gemeinsam mit den Kranken. Nach Beendigung des Nachtgebetes, der Nocturne, versammelten sich alle im Nachtdienst tätigen Ordensbrüder und prozessierten durch die Stationen. Dabei wurden die Nachtpfleger überwacht. Es wurden zunächst Lampen angezündet und später Wasser und Wein an die Kranken verteilt. Es erfolgte nochmals eine Waschung der Patienten. Die Nachtwache patrouillierte während der Nacht mit Kerzen durch die Krankensäle und kontrollierte den Schlaf und das Wohlbefinden der Patienten.

In jedem Krankensaal wurde von den Ordensgeistlichen täglich eine Messe gelesen, es wurde die Beichte abgenommen, die Kommunion ausgeteilt und den Sterbenden der letzte Beistand geleistet. In kleineren Niederlassungen des Hospitaliterordens, wo es keine eigenen Altäre in den Krankenräumen gab und die Kirche und das Hospital räumlich getrennt waren, gab es Öffnungen in der Decke der Hospitalskirche, so daß die sich in dem darüber gelegenen Raum befindlichen Kranken und Pilger an den Gottesdiensten teilnehmen konnten. Jeden Sonntag wurde eine Prozession durch das Spital geführt, wobei das Evangelium verlesen wurde.
In einem Hospital verstorbene Kranke wurden in einem verzierten Sarg, der mit einem durch das Ordenskreuz geschmückten roten Tuch bedeckt war, auf dem Ordensfriedhof beigesetzt, und die Priester des Ordens lasen die Seelenmessen.

Medizinischer Dienst auf dem Schlachtfeld:

Für die abendländischen Verhältnisse der damaligen Zeit ist es besonders bemerkenswert, daß neben den studierten Ärzten, die eher als Internisten bezeichnet werden können, auch Chirurgen tätig waren, die sich um die Betreuung der Verwundeten zu kümmern hatten. Diese werden zwar nicht in den Ordensstatuten, jedoch in zeitgenössischen Reiseberichten erwähnt. Die Chirurgen des Ordensspitals begleiteten die kämpfenden Truppen und errichteten auf dem Schlachtfeld Verbandplätze und Erste-Hilfe-Stationen.

schlachtfeld

Die Patienten

Die Patienten wurden aus hygienischen Gründen von silbernen Tellern bedient (aus Kostengründen wurden diese in späteren Zeiten durch Zinnteller ersetzt). Jeder der Ordensbrüder hatte einen Tag in der Woche die Pflege der Kranken zu übernehmen. Das Ordenshospital machte auch hier keinen Unterschied zwischen Freien und Sklaven bzw. zwischen Freund oder Feind, was im übrigen Europa erst viel später üblich wurde. Es wurde sogar eine Abteilung für Geisteskranke geschaffen. Diese wurden anderswo üblicherweise nicht als Kranke anerkannt, sondern kamen ins Gefängnis. Es muß auch eine Art “Kinderabteilung” gegeben haben, denn Knaben unter 7 Jahren durften nicht in das Hospital aufgenommen werden. Eine wichtige Neuerung für das Hospitalwesen war die größtmögliche Trennung nach Art der Krankheit und Ansteckungsgefahr. So gab es beispielsweise eine Diarrhoestation für die sogenannten “Flussuanti” und eine Fieberstation. Sterbende wurden in eigenen kleinen Räumen versorgt und Schwerkranke von leichteren Fällen getrennt. Für ansteckende Krankheiten (soweit bekannt) waren Isolationsräume vorgesehen. Das große Hospital konnte 500 Patienten aufnehmen, im Notfall sogar bis zu 900.

Ärzte und Heilkunst:

Die Ärzte wurden zunächst auf Kosten des Ordens an den Universitäten von Florenz, Padua und Salerno ausgebildet, in späteren Jahren studierten die Internisten in Montpellier und die Chirurgen in Paris. Die Chirurgie behielt jedoch ihr geringes Ansehen an den Universitäten, und studierte Ärzte legten großen Wert darauf, getrennt von jenen Barbieren und Wundärzten zu agieren, die die Chirurgie und Wundheilkunst praktisch ausübten. Dies kommt zum Beispiel darin zum Ausdruck, daß auch an den Johanniterhospitälern den Chirurgen nur sogenanntes “Braunbrot” zustand, während Höhergestellte, also auch die studierten Ärzte, Anrecht auf Versorgung mit Weißbrot hatten.

Immer noch bildeten die Werke der griechischen Ärzte Hippokrates und Galenus den Grundstock des medizinischen Wissens, doch kamen auch die Schriften des Arabers Avicenna (Ibn Sina) dazu. Die Chirurgie steckte wie überall in Europa noch in den Kinderschuhen, doch hatten die Ärzte des Orden zumindest in Fragen der Hygiene und Diätetik eine bessere Ausbildung genossen als die meisten ihrer anderen Zeitgenossen. Die Verabreichung von Ziegen- und Eselsmilch als Therapeutikum bei Magenerkrankungen führte zu dem erwähnenswerten Kuriosum, daß wegen Beschwerden einiger Patienten, die behaupteten, statt der vorgeschriebenen Eselsmilch lediglich Ziegenmilch erhalten zu haben, nun Esel und Ziegen täglich auf die Station geführt und vor den Augen der Patienten gemolken wurden. Auch die Findlingskinder wurden mit Ziegen- und Eselsmilch bzw. Molke aufgepäppelt.

ma-medezin

Tierkreismann
Aus dem “Fasciclus medicinae” des Johannes de Ketham (Kirchheim?), Venedig 1491,
einer Sammlung kurzer medizinischer Abhandlungen.

Die Geburtshilfe lag in den Händen der Hebammen, die man aus der Schwesternschaft rekrutierte, da man männliche Ärzte dem weiblichen Geschlecht möglichst fernzuhalten suchte. Nur in äußersten Notfällen holte man den Chirurgen. Der Kaiserschnitt wurde Anfang des 16. Jahrhunderts zum ersten Mal erfolgreich praktiziert.

Bei Mundverletzungen, die die Nahrungsaufnahme erschwerten oder unmöglich machten, wurde die ausreichende Ernährung durch nährende Einläufe gesichert.

Zur Anästhesie setzte man Narkoseschwämme, die in Opiate, Alkohol und andere betäubende Lösungen (Alraunensaft, Schierling, Giftlattichextrakt) getaucht wurden, oder auch die Narkotisierung durch einen Schlag mit dem Hammer auf den Kopf des Patienten, der dafür mit einem besonderen, gefütterten Helm bedeckt wurde. Die so erzeugte leichte Gehirnerschütterung verursachte Bewußtlosigkeit und ermöglichte dann kleinere Operationen.

Wein galt als Therapeutikum und wurde aus dem nahe gelegenen Sizilien importiert. Die Krankenpfleger fungierten als Weinkoster, um zu verhindern, daß den Kranken versehentlich saurer Wein verabreicht wurde. Aus medizinischen Gründen wurde der Wein genau zwei Stunden vor dem Mittagessen ausgegeben. Allerdings wurde dann der Stationsbetrieb durch ständige Störungen betrunkener Patienten so stark beeinträchtigt, daß die Weinausgabe schließlich nur noch zeitgleich mit den Mahlzeiten praktiziert werden durfte.

Zur Behandlung der Syphillis wurden die Patienten einem Heißluftbad unterzogen, in einem Kellerraum, der “Stufa” wurde dafür in einem großen Ofen Holz verbrannt, um die darüberliegenden Räume zu erhitzen, Zusätzlich wurden die syphillitischen Patienten mit quecksilberhaltigen Salben behandelt.

Zu den Allheilmitteln, die man zur Behandlung von Wunden, Blutungen und Ruhr verwendetet, gehörte ein bestimmter schwarzer Pils (Fucus coccineus melitensis), der auf einem winzigen Eiland vor der Küste der Nachbarinsel Gozo wuchs, dem sogenannten “Pilzfelsen”. Man hielt ihn für so wichtig, daß die Großmeister des Ordens persönliche Vorrechte darauf geltend machten und gegenüber des Pilzfelsens einen Wachturm errichteten, um Diebe abzuhalten. Man konnte den Felsen nur über eine Art Seilbahn, an zwischen Gozo und dem Eiland gespannten Seilen erreichen. Der Pils wurde möglicherweise wegen seiner dunklen Farbe, die dem von geronnenen Blut ähnelt, als Heilmittel betrachtet. In modernen Analysen konnte ihm jedoch keinerlei heilende Wirkung nachgewiesen werden.

Während der großen Pestwellen wurden keine neuen Kranken in das Hospital aufgenommen, um eine vollständige Durchseuchung zu verhindern. Auch die öffentliche Fußwaschung fiel während dieser Zeit aus.

Die Entwicklung der Chirurgie:

Erst im Verlaufe des 16. Jahrhunderts wurde die Chirurgie zu einem wichtigen Zweig der Medizin, besonders durch die Behandlung von Verletzungen, die durch die Anwendung der Feuerwaffen hervorgerufen wurden. Wunden wurden mit Salzwasser gereinigt und ausgewaschen. Wunden in weichen Gewebeteilen wurden genäht, durchschnittene Blutgefäße abgebunden. Als blutstillendes Mittel wurden die Wunden ausgebrannt und dann mit Werg oder Wolle verbunden. Die vermeintlich giftigen Schußwunden wurden durch Eiterung geheilt, in dem man sie mit heißem Öl ausbrannte. Erst im Jahre 1545 wurde die antiseptische Wundbehandlung mit Essig, Honig, Destillaten von Pflanzen mit ätherischen Ölen und ähnlichen antiseptischen Stoffen durch den französischen Chirurg Ambroise Paré eingeführt. Bei der Behandlung von Frakturen wurde geschient und gestreckt, bei Schädelbrüchen entfernte man abgesunkene Knochenstücke, notfalls griff man zur Trepanation.

medizinische-werkzeuge

Seit dem Jahre 1685 waren im Hospital ständig zwei Chirurgen beschäftigt, von denen immer auch einer dort wohnte. Zusätzlich waren ein Assistenzchirurg und 10 Bader zur Behandlung der Kranken angestellt. Ein besonderes Spezialgebiet der Chirurgie war die sogenannte Steinschneiderei, bei der ohne Betäubung Blasensteine entfernt wurden.
Der Malteser Chirurg Michelangelo Grima (1731–1798) gelangte in dieser Disziplin zu weltweitem Ruhm, war er doch so erfahren und geschickt, daß er die Öffnung der Harnblase und die Entfernung des Steines innerhalb von zweieinhalb Minuten durchführen konnte. Im Jahre 1773 schrieb er ein Buch über Chirurgie mit dem Titel “Della Medicina traumatica”.

Die ordenseigene medizinische Hochschule:

Unter Großmeister Nicholas Cotoner wurde im Jahre 1676 eine eigene medizinische Hochschule errichtet, die großes Prestige besaß und von Studenten vieler Länder besucht wurde. Fra Guiseppe Zammit wurde der erste Dekan für Anatomie und Chirurgie und war gleichzeitig der Leibarzt des Großmeisters. Unter seiner Leitung wurde es für alle Medizinstudenten und angehenden Chirurgen Pflicht, an Sezierübungen teilzunehmen. Zu diesem Zwecke gründetet er 1794 ein eigenes anatomisches Theater Er vermachte seine umfangreiche Bibliothek (ca. 15.000 Bücher) dem Orden und begründete den botanischen Garten in St. Elmo. Im Jahre 1721 wurde Gabriele Henin der Dekan für Anatomie und Chirurgie. Mit dieser Berufung wurde ein großes Zeichen gesetzt, denn Henin war der erste Chirurg, der ein solch hohes Amt bekleiden durfte.

Herzlichen Dank an Hospitaliter.lu

Quelle: http://www.hospitaliter.lu/